Projekt 2016-2018

“Verstetigung des medizinischen Kinderschutzes in Sachsen” (2016)

In den vergangenen vier Jahren wurden in Sachsen mehrere Kinderschutzprojekte im Gesundheitswesen mit Modellcharakter vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz finanziert und begleitet. Dabei wurden in Sachsen unter intensiver personalisierter Begleitung durch Landeskoordinatoren an 28 Kinderkliniken Kinderschutzgruppen geschaffen bzw. vorhandene gestärkt. Es wurden fachliche Standards eingeführt und mit unterschiedlichen Maßnahmen die Vernetzung zwischen der Kinder- und Jugendhilfe und dem Gesundheitswesen befördert.
Es erfolgte eine weitere Begleitung der medizinischen Kinderschutzgruppen u.a. durch gemeinsame Treffen und die Entwicklung von strukturierten Weiterbildungsmöglichkeiten für die Kinderschutzgruppenmitglieder. Diese zusätzlichen Angebote konnten nur bedingt durch ärztliches Personal wahrgenommen werden. Die konsequente Umsetzung der Leitlinien ist ein Prozess, der weiterer Unterstützung bedarf. Auch die Nachbereitung von Fällen der Kindeswohlgefährdung mit einem guten Qualitätsmanagement ist ein noch ausbaufähiges Thema im medizinischen Kinderschutz. Ebenso stellt die Einbindung der niedergelassenen Heilberufe eine weitere Schwierigkeit in der so wichtigen Vernetzung im Kinderschutzgeschehen dar. Die Inanspruchnahme der speziell dazu durchgeführten Veranstaltungen im vorangegangen Projektzeitraum muss perspektivisch gesteigert werden.
In der projektbegleitenden Evaluation konnte erhoben werden, dass die im Projektzeitraum betreuten sächsischen Kinderschutzgruppen über drei Erhebungszeitpunkte hinweg einen stetigen Zuwachs des Informiertheitsgrades zum medizinischen Kinderschutz im Vergleich zu einer Kontrollgruppe in Brandenburg hatten. Ähnlich verhielt es sich beim Bekanntheitsgrad der Kinderschutzleitlinien (AG KiM) und der Anzahl der Personen, die nach einem standardisierten Ablaufplan arbeiten. Diese Ergebnisse zeigen, dass eine kontinuierliche fachliche Begleitung und Koordination der Kinderschutzgruppen notwendig ist.

Ziel muss es nun sein, neben der weiteren Etablierung einer Koordinationsstruktur aus dem Gesundheitswesen heraus, eine Konzeption für eine strukturierte Fort- und Weiterbildung der Kinderschutzgruppenmitarbeiter zu erstellen, um deren fachliche Expertise im Kinderschutzgeschehen zu stärken.

Auch die Entwicklung eines kompetenten Qualitätsmanagements zur Nachbereitung von Kinderschutzfällen, sowohl intern medizinisch als auch in Bezug zur wichtigsten Schnittstelle der Kinder- und Jugendhilfe, soll erklärtes Ziel sein. Weiterhin bedarf es einer besseren Einbindung der Kinderschutzgruppen in ihr regionales Netzwerk Kinderschutz mit besonderem Fokus auf die Vernetzung zur kinder- und jugendärztlichen Praxis.

In Kooperation mit der Sächsischen Landesärztekammer, dem Landesjugendamt Sachsen und dem Institut für Rechtsmedizin Dresden soll nun speziell durch Konzeptentwicklung und Umsetzung auf dem Gebiet der Fort- und Weiterbildung bzw. der Einbindung der regionalen Kinderschutzstrukturen ein Grundstein für die Schaffung verbindlicher Strukturen im medizinischen Kinderschutz gelegt werden.

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